Autorin: Judith
Wir wollen die Stadt schmücken mit unseren Fensterbannern. Jede Politikerin, jeder Politiker, alle Entscheidungsträger:innen sollen auf ihrem Weg in die Arbeit tagtäglich an uns erinnert werden: Die Lobau-Autobahn darf NICHT gebaut werden! Das Naturschutzgebiet der Lobau darf nicht durch ein fossiles Autobahnprojekt, dessen Idee bis in die Nazi-Zeit zurückgeht, zerstört werden! Österreich ist fertig gebaut, was unsere Straßen betrifft. Es dürfen keine weiteren Wiesen und Äcker durch Straßen und Betriebsansiedlungen zerstört und Lebensräume für Menschen und Tiere zerstört werden.
Das ist die Idee und das Ziel zu unserem Fensterbanner-Projekt. Die Idee dazu haben wir der Bürger:inneninitiative „Gürtelliebe“ abgeschaut. Rosa Banner mit einem leuchtenden Herz werben entlang des Gürtels für mehr Lebensqualität entlang dieser einstigen Prachtstraße, die nun vom Autoverkehr ruiniert wird und jegliches Leben zerstört.
Sehr schnell haben wir gewusst, dass wir nicht nur den 22. Bezirk mit Fensterbannern schmücken wollen sondern wirklich die ganze Stadt. Die Lobau geht uns alle an. Das Motiv des Banners stammt von einem handgemalten Banner, das zum Jahresende 2021 dem Brandanschlag auf den Turm im Grätzel 1 zum Opfer gefallen ist. Bislang unbekannte Täter (bewusst nicht gegendert) hatten damals ein von Aktivist:innen errichtetes Holzgebäude auf einer der besetzten Baustellen in der Nacht in Brand gesteckt, obwohl zum damaligen Zeitpunkt zahlreiche Personen darin schliefen. Zum Glück wurde niemand verletzt – die Polizei hat sich um eine Aufklärung offensichtlich nicht sehr bemüht.

Jedenfalls hatten wir immer noch ein Foto dieses Banners, das nun N. nutzte, um das Fensterbanner zu gestalten. Die ersten Banner wurden gedruckt und waren rasch verteilt. Wir gaben die Produktion der nächsten Banner in Auftrag, machten Werbung in den sozialen Medien und auf unserer Website. Die Bestellungen an unsere E-Mail-Adresse trafen laufend ein. Schnell fand sich ein Gruppe von Menschen zusammen, die bereit waren, die Fensterbanner an unsere Besteller:innen zu liefern.
Wir mussten nachbestellen, schmückten uns selbst mit den Bannern auf diversen Demos, wo uns unsere Vorräte fast aus der Hand gerissen wurden. Spenden kamen auf unser Konto und mit jeder Übergabe eines Banners an die neuen Besitzer:innen ersuchten wir auch immer um einen kleinen Geldbetrag, um die doch nicht unerheblichen Kosten der Banner decken zu können (15,- pro Stück).
Nachdem die Bestellungen per E-Mail so zahlreich geworden waren, wir mit dem Liefern nicht mehr nachkamen, ein Versenden per Post aus finanziellen Gründen jedoch nicht in Frage kam, richteten wir Abholstationen ein. Wir fanden über die Stadt halbwegs gut verteilt Cafés, kulturelle Einrichtungen, Geschäfte oder auch Uni-Standorte, auf die nun Interessent:innen verwiesen werden konnten, um sich ihr Banner selbst abzuholen. Die Zusammenarbeit mit all diesen Orten und den dahinter stehenden Personen zeigte uns ein weiteres Mal, dass der Widerstand gegen dieses Autobahnprojekt groß ist. Wir organisierten Bannerlieferungen sogar bis ins südliche Burgenland, nach Graz und Innsbruck.

Seither folgt eine Nachbestellung der nächsten. Wir haben eine stabile Gruppe an Verteiler:innen. JedeR übernimmt ein paar Bezirke. Viele Bestellende können wir an die Abholstationen verweisen. Und für mich als eine Vertreterin der Boomer-Generation ergeben sich immer wieder wunderschöne Erlebnisse. Eine E-Mail-Bestellung kam von einer Volksschulkollegin, die ich seit mehr als 50 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die Lieferung erfolgte dann natürlich höchst persönlich und wir nahmen uns Zeit für ein ausführliches Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Eine andere Bestellung hatte als Absender ganz klar den Namen des Sohnes einer früheren Freundin, der mich dann nach der Aufklärung der Bekanntschaft ebenfalls auf einen Kaffee einlud. Viele weitere schöne Erlebnisse haben wir alle bei den Zustellungen, wenn wir gerade auch jemand zu Hause antreffen. Das führt in der Regel zu erfrischenden und aufmunternden Gesprächen, die uns immer wieder zeigen, wie wichtig unser Engagement ist.
Eine Sammlung vieler privaten Fensterbanner sind auf unserem Flickr zu finden!
Fensterbanner bestellen
Und nun noch eine Bitte an alle, die auch gern ein Fensterbanner hätten:
- Schreibt uns an info@lobaubleibt.at.
- Überlegt euch davor, ob ihr vielleicht für Freund:innen mitbestellen möchtet.
- Schreibt uns zumindest gleich einmal in welchem Bezirk ihr wohnt, oder wo ihr regelmäßig unterwegs seid. Dann können wir euch sagen, wo die nächste Abholstation ist.
- Uns kostet ein Fensterbanner ca. 15,- €. Wenn es euch möglich ist, überweist uns bitte eine Spende an:
Konto: Verein zu Förderung von politischem Aktivismus
IBAN: AT03 2011 1844 5763 5300
BIC: GIBAATWWXXX
Bank: Erste Bank
Referenz: Spende Lobau bleibt - Und bitte schickt uns ein Foto (Hochformat), wenn ihr euer Banner aufgehängt habt. Wir verwenden diese Fotos für unsere Website und Socialmedia-Beiträge.