Lobau-Autobahn: Ein zig-Milliarden schweres Autobahnprojekt, das für Mensch und Natur nur Nachteile bringt?

Die Regierungsparteien in Wien, Niederösterreich und im Bund bestehen weiterhin auf das fossile zig-Milliarden schwere Non-Sense-Projekt Lobau-Autobahn (19 km) inkl. Spange, von Süßenbrunn bis Schwechat, mit rund 9 km langen Tunnelröhren (je 15 m Durchmesser) mitten durch die breiteste Stelle des Nationalparks Donauauen.

Viele Wissenschaftler, NGO´s wie Greenpeace, Global 2000 und WWF aber auch Studien zu Umwelt und Verkehr von renommierten Universitäten (TU-Wien, TU-Graz) zeigen klar auf, dass die Lobau-Autobahn in fast allen Punkten – Verkehr, Umwelt, Gesundheit, Wirtschaftlichkeit die schlechteste aller geprüften Varianten ist.

Es ist die Variante, die

  • am meisten fruchtbares Ackerland dauerhaft versiegelt (130 ha)
  • den Verkehr speziell in der Region Essling, Aspern, Groß Enzersdorf massiv ankurbelt 
  • mit Blick auf die Gesundheit der Bevölkerung am schlechtesten abschneidet
  • die COEmissionen um mehr als 100.000 t jährlich erhöht, was der Erreichung der Klimaziele diametral entgegensteht
  • die höchsten Kosten – bis zu Euro 6 Milliarden – verursacht
  • zur höchsten Zersiedelung führt
  • eine massive Bedrohung für den Wasserhaushalt der Lobau Gewässer und für die Trinkwasserreserven des Lobau-Grundwassers ist  
  • die Region im 22. Bezirk und in NÖ, entlang der S1 Autobahn, zum Gewerbe- und Industriegebiet „Inzersdorf Nord-Ost“ verwandelt

Doch die Regierungsparteien nehmen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht als Basis ihrer Entscheidungen und wollen mit Macht dieses umweltschädliche Milliardenprojekt umsetzen.

Was sind die wahren Beweggründe von Politik und Wirtschaft für den Bau der Lobau-Autobahn??

MYTHOS 1: Der Bau der Autobahn soll zu einer Verkehrsentlastung der Süd-Ost Tangente und der Ortskerne von Essling, Aspern, Hirschstetten, Groß Enzersdorf und Raasdorf führen.
FAKTEN
Zahlreiche Studien und Berichte die sowohl die ASFINAG als auch das Umweltministerium in den letzten Jahren in Auftrag gegeben haben, zeigen ganz klar, dass es durch den Betrieb der Lobau-Autobahn zu keiner Entlastung des Straßennetzes, sondern zu massiven Zuwächsen bei der Verkehrsbelastung kommen würde. Selbst aus den Daten der ASFINAG ist ersichtlich, dass das Projekt Lobau-Autobahn keine Verkehrsentlastung für die Regionen Aspern, Essling, Hirschstetten, Groß Enzersdorf bringen würde.

Im Gegenteil, sowohl Zubringerverkehr als auch induzierter Verkehr durch die Autobahn würden das Verkehrsaufkommen massiv erhöhen. Das hat seinen Grund. Denn mehr Straßen produzieren mehr Verkehr und die neue Autobahn würde „Neuverkehr“ durch neue Siedlungs- und Gewerbegebiete aber auch neue Pendler aus Niederösterreich verursachen. Die Autobahn würde die Zersiedelung weiter fördern und die Verlagerung von Wohn- und Arbeitsplätzen in das Wiener Umland verstärken. Dies würde den Wiener Speckgürtel und damit das Pkw-Verkehrsaufkommen auf bereits stark befahrenen Straßen weiter erhöhen.

Analysen ergaben auch, dass nur 4,5% der Bewohner Esslings und der angrenzenden Ortschaften die Lobau-Autobahn nützen würden. Der Rest will in die Stadt hinein oder hinaus fahren und wird weiterhin den kürzesten Weg durch die Ortsgebiete nehmen. Somit nützt der Tunnel für den normalen täglichen Personenverkehr wenig, weil die wenigsten von der Donaustadt nach Mödling fahren.

Bereits 2003 wurde der Bau als größte Speckgürtelentwicklung betitelt. Laut Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck im Februar 2025 sollen allein im 21. und 22. Bezirk entlang der Autobahn, rund 800 Hektar für Betriebsansiedlungen versiegelt werden. Auf Niederösterreichischer Seite ist ebenfalls ein Gewerbespeckgürtel geplant, der hunderte Hektar fruchtbarer Böden vernichtet. Und das bedeutet: Mit der Lobau-Autobahn entsteht ein weiteres Gewerbe- und Industriegebiet „Inzersdorf Nord-Ost“ am Rande der Donaustadt.

 Analysen zeigen, dass die Verkehrsbelastung der Süd-Ost Tangente (A23) durch den Bau der Lobau-Autobahn in etwa gleichbleiben würden. Mit ergänzenden Maßnahmen wie dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und durchgängiger Radwegenetze sowie einer flächendeckenden Parkraum-bewirtschaftung, uvm. würde es kurzfristig zu einer geringfügigen Entlastung der A23 kommen. Auf fast allen anderen Straßen in der Region käme es zu einer deutlichen Erhöhung des Verkehrsaufkommens.

Ohne Lobau-Autobahn jedoch mit Ausbau des öffentlichen Verkehrs (Ausbau von Straßenbahnlinien, Optimierung von Bus- und Schnellbahnlinien, Verbesserung der Radinfrastruktur), des Güterverkehrs sowie Maßnahmen zur Verkehrslenkung und Förderung der Mobilität würden die Prognose für das Verkehrsaufkommen am geringsten ausfallen. Somit gibt es nur ohne Tunnel weniger Verkehr.

Quelle: Bericht der ExpertInnengruppe2018) Wiener Außenring Schnellstraße Schwechat – Süßenbrunn 51-DONAUOUERUNG https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/verkehrsplanung/strassen/pdf/bericht-expertinnen-donauquerung.pdf

Quelle: Bericht der ExpertInnengruppe2018) Wiener Außenring Schnellstraße Schwechat – Süßenbrunn 51-DONAUOUERUNGhttps://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/verkehrsplanung/strassen/pdf/bericht-expertinnen-donauquerung.pdf

 

MYTHOS 2:  Die Lobau-Autobahn ist umweltfreundlich und die Auswirkungen der Lobau-Autobahn wurden in der Umweltverträglichkeitsprüfung gründlich überprüft.

FAKTEN
In der Umweltverträglichkeitserklärung zur Lobau-Autobahn wurden die Auswirkungen auf den Klimaschutz nicht berücksichtigt. Es handelt sich hier um einen großen blinden Fleck von Genehmigungsverfahren in Österreich. Auch hat sich die ASFINAG nicht einmal die Mühe eines eigenen Kapitels „Menschliche Gesundheit“ gemacht!
Die Wasserrechts- und Naturschutzverfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Die Luftgüte der Stadt Wien ist nach wie vor problematisch: Regelmäßig werden die Grenzwerte für Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung überschritten. In der Donaustadt gibt es nur eine Messstelle!! Die PM2,5-Konzentration ist derzeit das 1.7-fache des WHO-Jahresrichtwerts.

  • Berechnungen des Umweltbundesamts zeigen, dass im Jahr 2040 durch die Lobau-Autobahn zusätzlich 294.000 Tonnen CO2 und 327 Tonnen Stickoxide verursacht werden. Über 400.000 Menschen wären von erhöhten schädlichen Emissionen betroffen, da die Lobau-Autobahn im dicht besiedelten städtischen Bereich Wiens mehr Verkehr verursachen würde. In den Bezirken nördlich der Donau würde die Schadstoffbelastung noch massiver ansteigen. Fix wäre auch die Zunahme von Feinstaub, Straßen- und Reifenabrieb und Mikroplastik.
  • Allein der Tunnelbau würde mindestens 400.000 Tonnen CO2 verursachen, hinzu kommt noch das CO2 für den Bau des S1 Nordteils und der A23-Spange.
  • Abgase und Schadstoffe von 60.000 Fahrzeugen täglich, die durch den 9 km langen Tunnel fahren, würden durch 10 m hohe Abgastürme an den Tunnelenden in Essling/Groß Enzersdorf ungefiltert an die Oberfläche geblasen werden. Das bedeutet: Direkt neben dem Erholungsgebiet Lobau, Wohnhäusern, Schulen und Kindergärten werden ungefiltert die Abgase und Schadstoffe aus dem Tunnel „entsorgt“. Der 10 km lange oberirdische Teil der Lobau-Autobahn würde mitten durch gewachsenes Siedlungsgebiet führen.
  • Gleich sechs Autobahnknoten sollen auf der 12 km langen S1–Strecke zwischen Süßenbrunn und Schwechat, der sog. Lobau-Autobahn, errichtet werden. Einer davon unmittelbar am Ortsgebiet von Groß Enzersdorf und Essling, rund 150 m von Wohnhäusern entfernt.
  • Der Verkehrslärm von Autobahn, Zubringerstraßen und Anschlussknoten, sowie die geplanten Abgas-Bauwerke sind gigantische Lärmquellen, da die Abgase mit hohem Druck durch den 10 m hohen Turm nach oben geblasen werden. Die zahlreichen oberirdischen Anschlussstellen Essling, Guntherstraße, etc. sind unglaubliche Lärmquellen mitten in Wohngebieten.
  • Weiters kommt es zum Verlust hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen. Die Lobau-Autobahn inkl. Spange zerstört dauerhaft 178 Hektar „hochwertiges Ackerland“. Das ist eine Fläche so groß wie der 4. Gemeindebezirk. Gesamt werden 220 Hektar an Fläche dauerhaft versiegelt. Während der mehrjährigen Bauphase würden rund 274 Hektar fruchtbarer Boden in eine Baustelle verwandelt
  • Die Klimaziele werden konterkariert, denn der enorme zusätzliche CO2-Ausstoß durch den Verkehr trägt erheblich zur Verschlechterung der Umweltlage in Wien und Österreich bei und setzt damit eine lebenswerte Zukunft aufs Spiel. Die Strafzahlungen, die auf Österreich zukommen, sollten wir unsere Klimaziele verfehlen, sind nur ein Vorbote dafür.
  • Auch der zur Stadt Wien gehörende Klimarat hat sich gegen den Bau des Straßenbauprojektes ausgesprochen. Aber die Stadtregierung ignoriert das Gremium, obwohl sich Österreich vertraglich zur Senkung des CO2-Ausstoßes verpflichtet hat.

MYTHOS 3:  Der Lobau-Tunnel berührt den Nationalpark nicht und gefährdet auch nicht das Grundwasser

FAKTEN:

Österreich hat nur sechs Nationalparks. Diese einzigartigen und ökologisch wertvollen Lebensräume stehen unter besonderem Schutz. Ihr Erhalt sollte oberste Priorität haben. Und doch wird genau auf den letzten Quadratmetern verbleibender intakter Auenlandschaft ein Mega-Infrastruktur-Projekt geplant. Zwei Tunnelröhren, mit jeweils einen Durchmesser von 15 m sollen durch das hochsensible Auengebiet getrieben werden. Die Befürworter:innen behaupten, eine Auswirkung auf den Nationalpark sei nicht gegeben. Zahlreiche Gutachten kommen jedoch zu einem anderen Schluss.

Bereits im Rahmen der von der Stadt Wien beauftragten „Strategischen Umweltprüfung“ im Jahr 2003 wurde der Lobau-Tunnel als die schlechteste Variante mit dem höchsten Risiko für den Nationalpark eingestuft: „Die geplante Donauquerung in Außenvariante mit Lobau-Tunnel bietet hohes bis sehr hohes Beeinträchtigungsrisiko für den Nationalpark“.

Wichtige Aspekte in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurden nicht oder falsch berücksichtigt. Als man die Auswirkungen auf das Grundwasser untersucht hat, ist man von einem gleichbleibenden Wasserspiegel ausgegangen. In der Realität schwankt dieser aber um bis zu vier Meter. Die im Erdreich befindliche Grundwasserfauna ist zudem Teil des Nationalparks. Die Untersuchung der Auswirkungen des Tunnelbaus auf diese besondere Tierwelt wurde verabsäumt, obwohl dies von BürgerInnen-Initiativen in den Verfahren wiederholt eingefordert wurde.

Der Nationalpark Donau-Auen zählt zu einem der letzten Rückzugsgebiete für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Ihr Überleben ist von einem intakten Lebensraum abhängig, der auf einem sensiblen Grundwassersystem beruht.

Der Bau des Lobau-Tunnels gefährdet den Wasserhaushalt des Nationalparks und beeinträchtigt das vom Grundwasser abhängige Ökosystem dauerhaft gravierend.

Eine mögliche Grundwasserabsenkung während der Bauphase durch das permanente Wegpumpen des Grundwassers aus den Baugruben, zerstört nicht nur den Lebensraum geschützter Tierarten, sondern gefährdet die Wasserversorgung von landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung und die Trinkwasserversorgung der Wiener Bevölkerung.

Die aktuelle Warnung der Weltnaturschutzunion IUCN, der Lobau den Status als Nationalpark im Fall eines Baubeginns abzuerkennen, verdeutlicht das Risiko für Mensch und Umwelt im Großraum Wien

Der ehemalige Chef-Geologe der OMV warnte schon vor einem Jahrzehnt als Kenner der Geologie des Wiener Beckens und Wissenschaftspreisträger des Landes NÖ: „Ein Tiefbau Großprojekt, bei dem sich Riesenroboter durch alle durchlässigen Schotterschichten dieses kostbaren ‚Aquifers‘ (Grundwasserkörpers) durchwühlen – mit Materialbewegungen von Hunderttausenden Kubikmetern mit Großmaschinen in bis zu 60 Metern Tiefe kann nur negative Auswirkungen auf den natürlichen Grundwasserstrom haben.

 MYTHOS 4: Der Bau der Lobau-Autobahn würde viele Arbeitsplätze schaffen, prognostiziert die Wirtschaftskammer Wien

FAKTEN
Der Straßenbau frisst sehr viel Geld, ohne entsprechende Wirtschaftsleistung oder Arbeitsplätze zu schaffen. So zeigen Expert:innen in einer Studie der TU Wien auf, dass der Ausbau von Schieneninfrastruktur, Bahnhöfen, Radwegen und Fußgängerzonen im Verhältnis zu den getätigten Investitionen deutlich mehr Arbeitsplätze schafft als der Bau von Autobahnen. Der hochrangige Straßennetzausbau – wozu die Lobau-Autobahn gehört – hat die schlechtesten Beschäftigungseffekte im Verkehrsbereich. Siehe VCÖ-Grafik.

Die Baukosten in Höhe von bis zu 6 Milliarden Euro wären überall besser investiert als in der Lobau-Autobahn.

Es ist unbestritten, dass nachhaltige Investitionen langfristig bessere Auswirkungen haben. So bewirkt eine Erhöhung der Staatsausgaben um 1% im Bereich Bildung eine Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens um 0,54%, während die gleiche Investition in die ASFINAG lediglich eine Erhöhung von 0,08% zur Folge hat.

Oder anders berechnet steigert die Lobau-Autobahn das reale BIP um nur 0,25 Mrd Euro, während derselbe Betrag im Bildungsbereich 1,6 Mrd Euro auslösen würde, in der Schieneninfrastruktur 0,73 Mrd Euro, sowie in der Forschung 1,1 Mrd Euro. Der hochrangige Straßennetzausbau – wozu die Lobau-Autobahn gehört – hat die schlechtesten Beschäftigungseffekte im Verkehrsbereich.


MYTHOS 5: Die Lobau-Autobahn ist für die weitere Stadtentwicklung Wiens von großer wirtschaftlicher Bedeutung

FALSCH!!
Die Lobau-Autobahn, insbesondere der Lobau-Tunnel, wird als ein wesentlicher Treiber für die Zersiedelung im Umland von Wien betrachtet. Die Hauptpunkte dazu sind:

  • Verstärkung der Zersiedelung: Der Lobau-Autobahn führt zu einer Verbesserung der Erreichbarkeit im Umland, insbesondere im nordöstlichen Bereich außerhalb Wiens. Dies begünstigt die Ansiedlung von Wohngebieten und Gewerbebetrieben im Umland, anstatt innerhalb der Stadtgrenzen. Die Wettbewerbssituation zwischen Wien und dem Umland verschlechtert sich dadurch zugunsten des Umlands. Nicht umsonst setzt sich die NÖ Landesregierung so massiv für den Autobahnbau ein.
  • Negative Auswirkungen auf die Stadtentwicklung: Die durch die Lobau-Autobahn induzierten Strukturveränderungen fördern die Zersiedlung und die Entmischung von Wohn- und Arbeitsgebieten. Dies steht im Widerspruch zu den Zielen der Stadt Wien, eine kompakte Stadtentwicklung zu fördern, mit kurzen Wegen und Erhaltung intakter Ortskerne.
  • Widmungsreserven: Die Verfügbarkeit von Baulandreserven im Umland von Wien, kombiniert mit niedrigeren Grundstückspreisen, begünstigt die Zersiedlung weiter. Der Lobau-Tunnel verstärkt diese Dynamik.

 

Zusammenfassend ist die Lobau-Autobahn als ein Projekt zu sehen, das die Zersiedelung im Umland von Wien fördert und die angestrebte kompakte Stadtentwicklung behindert.

 

MYTHOS 6: Die Kosten für die Lobau-Autobahn sind überschaubar und belasten nicht das Budget

FAKTEN
Der Bau der Lobau-Autobahn inkl. Spange und Umfahrungen einiger Ortschaften ist dermaßen komplex, dass mit Kosten von bis zu 6 Milliarden Euro zu rechnen ist. Eine Summe, die in Anbetracht der zunehmenden Klimaerwärmung weitaus zukunftsorientierter investiert werden kann. Hinzu kommen hohe Folgekosten für soziale und ökologische Folgeschäden, die aufgrund der Nichteinhaltung der Klimaziele durch hohe CO2 Emissionen, der Gefahr für das Trinkwasser und die Lärmbelästigung in Kindergärten und Schulen auf uns zukommen.

Dass die Milliarden nicht im Budget aufscheinen, hat den Grund, dass die Schulden der ASFINAG durch ihre Rechtsform aus dem Staatshaushalt ausgelagert sind und somit dort nicht auftauchen. Trotzdem hat der Bund die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen (100% der Aktien sind in der Hand der Republik Österreich) und somit ist es das Geld der Steuerzahler, dass hier verschleudert wird. Im Jahr 2019 betrugen die Schulden der ASFINAG laut Unternehmensbericht rund 10,9 Milliarden Euro. Einnahmen entstehen durch die LWK-Maut, Vignette oder Anleihen am Kapitalmarkt. Da liegt es logischerweise im Unternehmenszweck der ASFINAG neue Autobahnen zu bauen.

MYTHOS 7: Der Lobau-Tunnel entspricht allen modernen Sicherheitsanforderungen

FAKTEN
Für Autofahrer gibt es ein sehr hohes Gefahrenpotential im Falle eines Unfalls/ eines Brandes im Tunnel. Denn im Bereich des Nationalparks dürfen keine Notausstiege und keine Lüftungsbauten errichtet werden. In Folge gibt es in dem 8,3 km langen Tunnel bei einem Brandunfall keinerlei Fluchtmöglichkeit nach oben. Man könnte nur in die jeweils andere Röhre flüchten, zu der es alle 350-500 m eine Querverbindung geben soll.

Eine Sicherheitsbeurteilung des Tunnels vom Juli 2024 im Auftrag des Bundesministeriums ergab, dass

  • der Verkehr mit rund 59.300 KFZ/24h überdurchschnittlich hoch ist
  • die Stauhäufigkeit mit über 400 h/Jahr ebenfalls überdurchschnittlich hoch ist
  • der Anteil an Gefahrenguttransporten am Schwerverkehr mit 4.6% überdurchschnittlich hoch ist
  • die Tunnellänge von 8.280 m für einen Richtungsverkehrstunnel (Einbahnröhren ohne Gegenverkehr) ungewöhnlich groß ist

 

WARUM ALSO?

Die Lobau-Autobahn dient in erster Linie der Entwicklung eines neuen Gewerbe- und Industriegebietes und der Bindung europäischer Verkehrsströme an den Großraum Wien, der Bauwirtschaft und den Spekulanten.

Das Ziel von der Lobau-Autobahn ist nicht Verkehrsverringerung, sondern die

  • Entwicklung eines neuen Gewerbe- und Industriegebietes „Inzersdorf Nord-Ost“? Werden der Rand der Donaustadt und die an die geplante Lobau-Autobahn angrenzenden niederösterreichischen Ortschaften durch die Lobau-Autobahn inkl. Spange erschlossen, kommt es zur Entwicklung neuer Produktions- und Logistikstandorte, Einkaufstempel und Wohnsiedlungen. Laut Wirtschaftskammerpräsident von Wien, Walter Ruck, sollen allein im 21. und 22. Bezirk entlang der Autobahn, 870 Hektar für Betriebsansiedlungen versiegelt werden. Auf Niederösterreichischer Seite ist ebenfalls ein Gewerbespeckgürtel geplant, der hunderte Hektar fruchtbarer Böden im Marchfeld vernichtet. Und das bedeutet: Mit der Lobau-Autobahn entsteht ein weiteres Gewerbe- und Industriegebiet „Inzersdorf Nord-Ost“ am Rande der Donaustadt.
  • Bindung europäischer Verkehrsströme an den Großraum Wien? Wien strebt gemeinsam mit Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer die Schaffung einer bundesländerübergreifenden Metropolenregion an, deren Rückgrat durch verschiedene Großprojekte wie die Stadtstraße, die Lobau-Autobahn oder die dritte Piste am Flughafen Schwechat geschaffen werden soll. Des Weiteren ist von der Schaffung einer internationalen Schwerverkehrsachse die Rede.
  • Spekulative Liegenschaftskäufe? Die meisten Äcker und Grünlandflächen entlang der geplanten Autobahn sind zu Spekulationsobjekten geworden und bereits im Besitz von Bauträgern, die auf Umwidmung und Baustart hoffen. Sollten die Pläne für die Lobau-Autobahn aktuell werden, würde das in der Donaustadt wohl auch viele Bauträger mit Ackerparzellen freuen. Dutzende Millionen Euro stehen auf dem Spiel!
  • Tonangeber Bauwirtschaft – weniger wäre g’sünder? Der Anteil der Bauwirtschaft an der österreichischen Wertschöpfung beträgt 135 % des Euro-Raum-Durchschnitts“(OECD)“. Das gerne zitierte Vergleichs-Land Schweiz weist 90 % auf.

     

    40.000 Unternehmen, 310.000 Beschäftigte, 63 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr – die Bauwirtschaft und somit die Eigentümer und Manager der Baufirmen sind die wichtigsten Tonangeber in Politik und Wirtschaft und auch die größten Nutznießer.

    104.000 Wohnungen (10 %) stehen leer in Wien. Andererseits: Im Donaufeld sollen 6.000 Wohnungen auf über 1000 Hektar fruchtbarsten Böden gebaut und am Rande der Donaustadt 178 Hektar fruchtbarstes Ackerland durch den Bau einer Autobahn versiegelt werden.

    Etwas weniger von diesem toxischen Wirtschafts-Sektor wäre gesünder für die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft. Die Rufe der Unternehmer und manchmal auch der Gewerkschaft nach zusätzlichen staatlichen Mitteln für die Bauwirtschaft sollten so lange überhört werden, bis der volkswirtschaftliche Anteil, dem einer modernen Ökonomie entspricht.